Rathausgebäude von Erzhausen

CINDY-S ist eine Katastrophe! Wir müssen ein Zeichen setzen! So nicht!


Alle fünf Gemeinden, Mörfelden-Walldorf und der Weiterstädter Ortsteil Gräfenhausen leiden seit dem 10. Juli 2025 unter einer massiven Zunahme des Fluglärms. Grund ist die Verlagerung der Flugroute AMTIX-kurz nach Norden. Statt in einer Geraden über die Darmstädter Ortsteile von Arheilgen und Kranichstein zu fliegen, dreht sie nun vor Gräfenhausen Richtung Osten, verläuft zwischen Erzhausen und Wixhausen auf Messel zu und dreht kurz vorher Richtung Südosten auf die alte Route zurück. Zahlreiche Beschwerden ihrer Bürgerinnen und Bürger erreichen die Bürgermeister seither täglich. Und die Bürgermeister teilen den Ärger ihrer Bevölkerung.

Durch die Kurven wird der Flugweg für jedes Flugzeug länger, der Auftrieb sinkt, mehr Schub ist nötig, und der dadurch produzierte verstärkte Lärm verteilt sich durch den Kurvenflug mal links, mal rechts der Flugroute. Zwar werden die Darmstadts Stadtteile entlastet aber Darmstadts Nachbarn im Norden bekommen gleichzeitig eine massive zusätzliche Lärmbelastung. 

Das hätte man vorherberechnen und die Kommunen und ihre Bürger vernünftig mit einbinden können. Aber nichts dergleichen ist passiert:

Langen und Groß-Zimmern tauchen in den Präsentationen und Berechnungen der Fluglärmkommission Frankfurt überhaupt nicht auf und werden von der Lärmzunahme völlig überrascht. „Für uns kommt die Lärmzunahme aus heiterem Himmel. Mit uns hat niemand im Vorfeld gesprochen.“ sagt Langens Bürgermeister Jan Werner empört. Langens Erster Stadtrat Stefan Löbig ergänzt: „Wir hätten mindestens erwartet, vorab informiert zu werden.“  

Mark Pullmann, Bürgermeister von Groß-Zimmern: „Auf Grund der vorliegenden CINDY-S Streckenpläne müssten die Flugzeuge zwischen den Gemeinden Roßdorf und Groß-Zimmern auf die bisherige Strecke zurückkehren. Nach unseren Beobachtungen überfliegen allerdings nunmehr Flugzeuge Groß-Zimmern direkt. Mit dem Streckenverlauf CINDY-S wird nordwestlich von Groß-Zimmern eine große Kurve geflogen. Bis zur Testphase erreichten die Flugzeuge Groß-Zimmern über einen geraden Streckenverlauf aus westlicher Richtung. Nach unserer Einschätzung führt die Veränderung zu steigendem Fluglärm. Es gibt in Klein-Zimmern seit einigen Jahren eine Fluglärm-Messstelle und in Groß-Zimmern wurde im August dieses Jahres eine zweite wieder aktiviert. Wir erhoffen uns durch diese Messstellen Vergleichswerte zwischen den Routen zu erhalten.“

Anders als Groß-Zimmern ist Langen nicht Mitglied in der Fluglärmkommission Frankfurt, genauso wie Egelsbach und Messel. Und das ist ein Problem.

Egelsbach war zwar auf eigenes Betreiben bei dem Konsultationsverfahren eingebunden, wurde aber nur als minimal betroffene Kommune von der Fluglärmkommission eingestuft. Egelsbachs Ortsteil Bayerseich im Südosten hat nun allerdings eine Zunahme des Fluglärms von etwa 5 db(A) durch die Verlagerung der Flugroute. „Nach der zweiten Kurve hängt Bayerseich nun quasi am Auspuff der startenden Flugzeuge“, kritisiert Bürgermeister Tobias Wilbrand.  

Zu Messel beschrieb ein Gastspieler auf dem Sportplatz: „Die Flieger fliegen schnurgerade auf den Sportplatz zu und gehen dann in eine spektakuläre Rechtskurve verbunden mit einer spektakulären Lärmexplosion“. Messels Bürgermeister Thorsten Buhrmester bestätigt: „Das hat er zutreffend zusammengefasst. Leider!“ Vor der Verlagerung lagen beide Gemeinden unterhalb der Lärmschwelle, die zu einer Aufnahme der Gemeinden als Mitglieder in die Fluglärmkommission qualifiziert. Darum hatte keine der vier hier zitierten Gemeinden ein Stimmrecht bei der Abstimmung zur Routenverlagerung, aus Sicht aller vertretenen Bürgermeister ein Unding. Zumindest als Betroffene hätten sie zu den relevanten
Sitzungen der Fluglärmkommission eingeladen werden müssen, um sich zu informieren und ihre Bedenken zu äußern, bevor eine Entscheidung ergeht.  

Erzhausen und Mörfelden-Walldorf sind schon lärmgeplagte Mitglieder der Fluglärmkommission. Beide Kommunen wollten, wie auch das Mitglied Groß-Zimmern, die Verlagerung nicht. Erzhausen hat sowohl vor der ersten Verlagerung 2020 als auch vor der Entscheidung im Oktober 2024 mit Unterstützung von Egelsbach und Messel und im Namen dieser beiden nicht vertretenen Kommunen in der Fluglärmkommission sehr deutlich mündlich und schriftlich die Bedenken gegen diese Verlagerung vorgetragen. Aber die stimmberechtigte, weitgehend nicht betroffene Mehrheit der Mitglieder wählte auf
Basis der Ausführungen der Deutschen Flugsicherung und des Forum Flughafen und Region die Verlagerung.

Interessant ist der Fall des Weiterstädter Ortsteils Gräfenhausen. Weiterstadt durfte nach den von den Experten gezeigten Berechnungen von einer Lärmminderung durch die Verlagerung der Flugroute ausgehen. Jetzt leiden die Gräfenhäuser unter mehr Fluglärm. Hätten sie das vorhergesehen, hätte Weiterstadt, das zudem im Vorstand der Fluglärmkommission vertreten ist, wohl anders votiert. Was ist passiert? Die Flugzeuge müssen mehr ausholen und eindrehen, um die stärkere Kurve Richtung Osten zu fliegen. Mehr Auftriebsverlust und mehr Zentrifugalkraft machen mehr Schub nötig, der sich entsprechend verteilt und eben mehr Lärm verursacht. Das ist für Fachleute nicht überraschend. Nur in den der
Fluglärmkommission vorgelegten Unterlagen sieht das Bild völlig anders aus. „Ich hatte den Eindruck, dass der Abbruch des ersten Probebetriebes nach nur zwei Monaten Anfang 2021 für diejenigen, die an der Verlagerung gearbeitet hatten, eine sehr schmerzhafte Niederlage war“, sagte die in der  Fluglärmkommission vertretene Bürgermeisterin von Erzhausen Claudia Lange. „Seither haben die Beteiligten über drei Jahre darauf hingearbeitet, dass eine fast gleich verlaufende Route doch noch beschlossen wird und damit gezeigt wird: Es geht doch. Alle vorgelegten Argumente sollten das gewünschte Ergebnis erzielen.“

Besonders bitter: Alle jetzt mehr betroffenen Gemeinden haben keinen Lärmschutz. Für Erzhausen und Mörfelden-Walldorf wurde festgestellt, dass es zusätzliche Hochbetroffene geben wird. Trotzdem wurde kein Lärmschutzbereich festgelegt, so dass die Hochbetroffenen jetzt mit Schlaflosigkeit und Wut im Bauch leben müssen, ebenso wie viele Tausend Einwohner der hier vertretenen Gemeinden, die einer Lärmzunahme von fünf db(A) und mehr ausgesetzt sind. Bis zum Ende des Probebetriebs? Nein! Die Voraussetzungen für eine Verlagerung waren fehlerhaft, die Lärmbelastung ist völlig anders als dargestellt. Eine Auswertung muss jetzt erfolgen, und der Spuk muss schnellstens ein Ende haben!

Weitere Informationen zum Probebetrieb sind auf folgenden Webseiten zu finden:  

https://konsultation.aktiver-schallschutz.de/konsultation-zu-amtix-kurz/ 

https://www.aktiver-schallschutz.de/massnahmen/siedlungszentren-umfliegen/laterale-optimierung-
amtix-kurz/  

https://konsultation.aktiver-schallschutz.de/konsultation-zu-amtix-kurz/daten-zahlen-fakten/  

Für Lärmbeschwerden stehen Ihnen folgende Adressen zur Verfügung: